Das Auftauchen der Devise 1522
Seit 1522 verbreitet sich das Motto: VERBVM DOMINI MANET IN ÆTERNVM explosionsartig.
Manlius berichtet, wie sich Friedrich der Weise für diese Devise entschied.
       Exkurs: Weitere schriftliche Quellen
Münzen
       Exkurs: Ikonographie der Münzen
und Textilien
Friedrich der Weise und DIE WAHL DES MOTTOS ALS DIPLOMATISCHE MEISTERLEISTUNG (Warum gerade dieses Motto?)


Der Bericht des Manlius 1562
Die älteren Autoren beziehen sich bei der Behandlung des Mottos fast alle auf folgenden Bericht des Manlius
Locorum communium collectanea 1562: Seite 290
Duces Saxoniæ illud ursurparunt: Verbum Domini manet in æternum. Initio autem electum fuit a duce Friderico, hoc pacto: Cum iußisset dominus Spalatinum colligere aliquot bona dicta ex multis, queæ ille conscripserat, hoc unicum elegit.
Idem symbolum Verbum Domini manet in æternum, usurpauit Georgius Marchio Brandenburgensis: quot quadiu uixit, seruauit.
Die Fürsten von Sachsen verwendeten folgendes (Motto): Verbum Domini manet in aeternum. Folgendermaßen entschied sich Herzog Friedrichs (der Weise) für dieses Motto: Der Herrscher befahl Spalatin eine Sammlung von vielen guten Sprüchen anzulegen und wählte dann aus den vielen, die dieser aufgeschrieben hatte diesen einen aus.
Dasselbe Motto übernahm auch Markgraf Georg (der Fromme) von Brandenburg und bewahrte es sein Leben lang.
["initio..." diese Version des Manlius wird zwar oft zitiert, aber Manlius gibt keine Quelle für diesen Bericht an. Auch sonst kenne ich keine Quelle, die diesen Bericht stützen würde. Dennnoch paßt die Erzählung so gut zu den beteiligten Personen, daß sie, falls nicht wahr,  zumindest gut erfunden ist.
"Markgraf Georg" Auch hier fehlen Belege.

Exkurs: Weitere schriftliche Quellen, die darüber Auskunft geben, warum (wann?, von wem?) dieses Motto ausgewählt wurde.



Münzen
Das Motto VERBVM DOMINI MANET IN AETERNVM
erscheint 1522 auf der unten abgebildeten Münze.
A1a Guldengroschen ................................................

A1e Schreckenberger


A1b Guldengroschen ohne Arabesken 
in der Jahreszahl

 

Am 22.5.1522 schickt Friedrich 100 Mark Silber an Anton Tucher in Nürnberg mit dem Auftrag daraus Münzen zu prägen: und dabey in einem buchslein ein visierung eins gepreg uf eyn muntz, und die platten derselben soll so breyt werden, alss der zeirck und umbschrifft uff dem steyn begreift, und das angesicht soll uf die eyn seiten der muntz, und auf der andern seyten das kreutz mit der schrift, wie es uf das pappier gerissen, seyn, und begern darauff genediglich, ir wellet bestellen, dass uns demnach stempfel gemacht werden, ufs reynlichst es sein mag, und darnach aus den hundert marck silbers groschen, der eyner ein gulden halt....und wen die muntz recht gefellig werde, so seind wir bedacht, dar uber die hundert marck mer machen zu lassen.
L: Ehrenberg S101-103

Am 29.6. hat Friedrich einen Abdruck der Vorderseite erhalten: "mit dem angesicht, das uns wol gefellt.... Wir sein auch bedacht, eine muntz schlaen zu lassen, der sieben groschen ein gulden gelden..."

Am 30.6. schreibt Friedrich zur Rückseite: Er wünsche, "dass die zeuge auch nit in die jahrzall gemacht, sondern dass die platten neben der Schrift glatt weren..."

Weiter ergibt sich aus diesem Briefwechsel:
Tucher sollte diese Prägungen geheim halten.
Sie sollten von Gewicht und Feingehalt den gängigen sächsischen Münzen entsprechen.
Schon nach kurzer Zeit werden diese Münzen auch in Annaberg (Sachsen) geprägt, da der Nürnberger Münzmeister Hans Kraft andere Gehaltsvorstellungen hat, als der Kurfürst. Am 11.Februar 1523 hatte Kraft das übersandte Silber vermünzt. Hiermit endeten die Nürnberger Prägungen für Friedrich. 
Hans Kraft prägte vom 29.6.1522 bis 11.2.1523 insgesamt
625 Guldengroschen und 15208 Schreckenberger. Dazu einige vergoldete und goldene Stücke.

Wann wurde das Motto erstmals auf Münzen verwendet?
Abgesehen von dem Wittenberger Einbandstempel von 1520 scheint der Brief vom 22.5.1522 (Friedrich an Tucher)  das früheste Zeugnis für das Motto auf Münzen zu sein, obwohl der Spruch in ihm gar nicht erwähnt wird. In dem Brief wird ein Entwurf (Visierung) für die Münze erwähnt. Da von der Idee bis zum fertigen Entwurf sicher auch einige Zeit vergangen ist, muß die entsprechende Anweisung  spätestens Ende April 1522 erfolgt sein.

Exkurs: Ikonographie der ersten Prägungen mit dem Motto
Friedrich konnte bei der Motivauswahl für seine Prägungen nicht auf eine lange ikonographische Tradition zurückgreifen. Die Umstellung von der Groschenwährung auf Großsilbermünzen (Dies ist in der Numismatik der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.) war erst in den letzten 30 Jahren erfolgt. Im Zuge dieser Umstellung wandelte sich auch die Form und z. T. auch der Inhalt der Darstellungen. Mittelalterliche Münzen waren klein (Durchmesser 1-3cm) und dünn (< 1 mm) . Die Inschrift bestand aus gotischen Minuskeln und war meist unleserlich.
Mit der Umstellung auf große (3-4cm Durchmesser, 1-3mm dick) Münzen hatte man einerseits eine größere Fläche für die Darstellung zur Verfügung, andererseits erforderten die dickeren Schrötlinge (= Metallscheibe aus der die Münze hergestellt wird) eine andere Prägetechnik, die ein höheres Relief und damit schärfere Konturen ermöglichte.
 
Portrait üblich
Titel in
Umschrift
üblich
Wappen normalerweise groß auf der Rückseite
schrumpft zu Trennzeichen in der
Vorderseitenumschrift
in Sachsen seit ca 1500 
Keilitz Nr 4;16-20,42-50
Bibelspruch bisher sehr selten, von jetzt ab häufig
Doppelter
Schriftkreis
kommt gelegentlich vor 1507: Keilitz Nr 69
VERBUM
DOMINI..
erstmals auf dieser Münze,
später häufig

Jahreszahl üblich
Kreuz An dieser Stelle steht sonst das Wappen.
Ein Kreuz an dieser Stelle ist auf großen
Silbermünzen unüblich.
Auf mittelalterlichen Münzen war es häufig.
1507 Wappen mit Kreuz kombiniert
Keilitz Nr 69/72/82
CCNS kommt nur bei Friedrich vor (seit 1517) Keilitz Nr 74
Ausführlicher zur Ikonographie dieser Prägung:Christensen S28-29


 Neben den Münzen gab es noch ein zweites Medium, das zur Verbreitung des Mottos diente:
Die kursächsischen Hofuniformen
An den Ärmeln der Kurfürstlichen Hofuniformen wurden die Buchstaben VDMIÆ aufgenäht.Diese Uniformen wurden jeweils zweimal jährlich (Sommer- bzw. Winterkleidung) an die Angehörigen des (Kur-)fürstlichen Hofes verteilt. Dadurch war das Motto schlagartig in ganz Kursachsen präsent. Aber nicht nur in Kursachsen, sondern auch in Nürnberg, dem Sitz von Reichsregiment, Reichskammergericht und Reichstag (In jedem dieser Gremien war Kursachsen durch kompetente Diplomaten vertreten.)
Zuständig für die Beschaffung und Verteilung dieser Uniformen war ein HANS POSER. Sowohl von seinen Konzept- und Musterbüchern, als auch von seinen Abrechnungen existieren viele noch heute. L: Dihle


Für unsere Untersuchung sind besonders die 93 Kostümbilder (darunter viele Doubletten) wichtig, die sich in verschiedenen ernestinischen Archiven und Bibliotheken erhalten haben. DihleS128
Diese Bilder dienten als Vorlagen für die Schneider, die die Textilien herstellen mußten. (daher auch die vielen Doubletten). Jedes der Bilder enthält eine Über- (bzw. Unter-) schrift, die darüber informiert, wann (und häufig auch: wo) diese Kleidung verteilt wurde. Viele Bilder enthalten auch einen kurzen Kommentar, der wichtige Ereignisse aus der Zeit nennt, zu der diese
Kleidung getragen wurde.
Die Abbildung links zeigt ein Blatt (Forschungsbibliothek Gotha, Chart. A 233 Bl. 8r) auf dem Hans Poser folgendes vermerkt hat:
[Überschrift:] Friedrich Churfürst zu Sachssen und Johannes Herzogk zu Sachssen gebrueder Winter Kleidung Ao 1522 [Kommentar:]Diese löbliche: Chur= und Fürsten zue Sachßen, haben Zum erstenmahl in dieser Kleidung diesen Rheim gefuhrd VERBVM DOMiNi MANET IN ÆTERNVM. Funff Jahr vor dieser Zeit, hadt ahngefangen Zu schreiben und zu predigen der ehrwurdige Here Doctor Martinus Lutherus zu Wittenberg auch hat wied. das heilige Gött liche wort an tag bracht
Das älteste der Kostümbilder (Kunstkabinett Weimar KK 153) zeigt die Sommerkleidung 1514, das jüngste (Forschungsbibliothek Gotha, Chart. A 233 Bl. 30) die Winterkleidung 1589 Auf einigen der Bilder (1522-1554) kann man die Ärmelinschrift VDMIÆ erkennen.


Dies (Kunstkabinett Weimar KK 157) ist eine Doublette von obiger Abbildung.Sowohl auf dem Bild, als auch im Text sind die Buchstaben VDMIÆ geschwärzt.Es ist unbekannt, wer? warum? das Motto zensiert hat.
Immerhin bleibt die ehrende Erwähnung Luthers unzensiert.
Ich konnte dieses Blatt nie persönlich einsehen. Daher halte ich auch folgende Erklärung für nicht ausgeschlossen: Das Motto sollte nicht zensiert, sondern farbig hervorgehoben werden (Vorläufer eines Textmarkers). Später ist die Farbe nachgedunkelt

Das nächste Bild stammt aus demselben Band wie das erste .(Chart.A233 Blatt 9r die Schrift habe ich in anderer Farbe nachgezeichnet, um sie besser lesbar zu machen.)


Obwohl es nach der Winterkleidung 1522  eingebunden ist, zeigt es die Sommerkleidung von 1522.Wir haben also folgenden paradoxen Befund: Obwohl die Sommerkleidung ein halbes Jahr älter ist, als die Winterkleidung, behauptet Hans Poser, dieses Motto sei erstmals auf der Winterkleidung verwendet worden.
Wurde das Motto erstmals auf der Sommerkleidung verwendet, so wäre das Motto auf  Uniformen früher als auf  Münzen verwendet worden.


Rätsel:
?
  • Wann (an welchem Tag) wurde die Sommerkleidung verteilt?
  • Wielange muß die Vorlaufzeit sein, d.h. zu welchem Zeitpunkt muß die Anweisung zur Verwendung des Mottos spätestens gegeben worden sein?
  • Hat sich Poser geirrt, wenn er die erste Verwendung des Mottos bei der Winterkleidung 1522 anmerkt
  • oder ist die Überschrift: "Sommerkleidung 1522"  über dem Bild mit den Buchstaben falsch?
  • War es damals üblich, auf Uniformen Mottos zu verwenden?

Antworten und
Hinweise an

 kohleraichig@gmx.de
Die Beantwortung würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, doch weise ich auf einige Fakten hin, die bei der Antwort  berücksichtigt werden sollten:
  • Die Blätter in dem Gothaer Manuskript Chart A233 wurden schon vor langer Zeit (wann?) zusammengebunden. Es existieren zwei verschiedene Paginierungen, die beide mit der heutigen Reihenfolge übereinstimmen. Diese Reihenfolge ist im allgemeinen chronologisch. Ausnahme: In den Jahren 1521 und 1522 kommt die Winterkleidung vor der Sommerkleidung.
  • Die Kommentare wurden erst nach einigen Jahren angebracht (möglicherweise erst nachdem die Gothaer Blätter zusammengebunden worden sind.). Z.B. enthält der Kommentar zur Winterkleidung 1521 einen Hinweis auf den Tod von Johanns Tochter Margaretha (+1535)
  • Trotzdem finden sich oft dieselben Kommentare auch auf den Doubletten.
  • Auch Spalatin beschreibt das Motto im Zusammenhang mit der Winterkleidung 1522.
  • 1498 kaufte Friedrich der Weise für 2 Gulden Perlen für Buchstaben auf einem Samtärmel. DihleS134

  • Auch der Wetterauer Grafenverein verwendete Devisen auf Uniformen: BEDENCKS END (1533) W.ie G.ott W.ill (1547) G.ott F.ügts Z.um Besten (1548). Der Text in L: Hessen Nr. 557 (bezugnehmend auf die Schneiderrechnungen im Ysenburger Archiv zu Büdingen) scheint anzudeuten, daß dort diese Sitte schon 1516 bestand